Letztes Update: 11. December 2017

Presse

Ein Marathon-Geschenk
Donnerstag, 01. Mai 2003
835 Musiker spielten 30 Stunden zum 50. Geburtstag des Zupfmusikerbundes auf

St. Wendel (fri). Grund für die Mammutveranstaltung war der 50. Geburtstag des Bundes für Zupf- und Volksmusik Saar e.V. (BZVS), dessen Mitgliedsvereine sich mit zwei Tagen und einer Nacht voller Musik ein unvergessliches Geburtstagskonzert bescherten. Die Idee hatte Michael Anton, Dirigent des Mandolinenorchesters Bliesen und Leiter des Festivals. So war St. Wendel kurz nach dem Saarlandtag wieder Ort einer saarländischen Veranstaltung, die Menschen aus dem ganzen Saar-Lor-Lux-Raum anlockte.
Die Veranstaltung war bestens organisiert, so dass Josef Schuh, Vorsitzender des Fördervereins Saarländischer Zupforchester, mit seinem Versprechen Recht behielt: "Uns geht die Musik nicht aus!" Und so griffen 835 Musiker in St. Wendeler Sälen fast 30 Stunden lang pausenlos in die Saiten. Mit dieser Aktion hätte der BZVS eigentlich einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde verdient.
Mit ihren Beiträgen zeigten die Orchester, wie vielseitig Zupfmusik sein kann und dass beispielsweise die Mandoline durchaus erlernenswert ist. Dank der Qualität der örtlichen Vereine gibt es im Saarland erstaunlich viele Nachwuchsmusiker für Zupfmusik. Für die Jugendarbeit des BZVS spricht, dass ein Viertel der Bundespreise von "Jugend musiziert" an Saarländer ging.
Eher für die kleinen Liebhaber der Zupfmusik startete der Marathon am Samstagmittag im Saalbau mit dem Kindermusical "Hoppel und die Jahreszeiten". Nach verhaltenem Zuschauerzuspruch gestalteten saarländische Zupforchester den Abend vor mehreren hundert Zuhörern. Zwar hatte jede Gruppe ihren individuellen Stil, doch sie alle begeisterten durch ein gefühlvolles und homophones Spiel in harmonischem Klang.
Die Musik ging nicht aus
Während die Zuhörer still den leisen, sanften Klängen lauschten, setzten beispielsweise der Auftritt des Mandolinenorchesters Urexweiler mit dem Jugendchor Liguamentium im "Gefangenenchor" oder Markus Lauers lupenreines Spiel besondere Akzente. Höfische Tanzmusik des Saarbrücker Gitarrenensembles wechselte mit romantisch-lyrischen Melodien zum Träumen, aber auch Unterhaltungsmusik kam nicht zu kurz. Zu den Orchestern gesellten sich Sänger und Rhythmusinstrumente, teilweise sangen die Mandolinen- und Gitarrenspieler auch selber zu ihrer Musik, wie in der Urexweiler Seniorengruppe.
Traditionelles Volksliedgut ließ sich durch den gesangsähnlichen Klang der Mandolinen hervorragend wiedergeben, doch bei Seemannsliedern des Zupforchesters Hüttigweiler oder mitreißenden Tanzrhythmen der Beckinger und Alsweiler Vereine glitten die flinken Finger ebenso gekonnt über die Saiten. Selbst die Nacht hindurch zupften namhafte Künstler, Marcel Adam im Mia-Münster-Haus, in der evangelischen Stadtkirche David Qualey Westernmusik und auch das Duo Synergie und Reiner Stutz gaben Kostproben ihres Könnens. "Die Gruppe der Zuhörer wurde immer kleiner, aber dafür kamen dann die Frühaufsteher wieder dazu", freute sich Schuh über den Erfolg des Festivals.
Im Hotel "Luise", dem Cafe "Journal", der Brasserie "Wendelin" und dem Cafe "Platane" sorgten das hochmusikalische Ehepaar Ossipov und Ricardo Sandoval für volle Räume. Vormittags ließ der Regen rechtzeitig für die Open-Air-Volksmusik der Urexweiler Musiker nach, sodass die Volkstanzgruppe in Tracht doch noch trockenen Fußes am Fruchtmarkt ihre schönen Tänze vorführen konnte.
Zum Nachtisch glänzten "Jugend musiziert"- Preisträger Martina Hümbert, Marion Kiefer und Daniel Lubos mit anspruchsvollen Werken. Besonders virtuose Leckerbissen bescherten zum Ende Gäste aus Luxemburg und Metz. Faszinierend experimentell setzte das Ensemble 92 den griechischen Todesfluss Styx um. Vor mehr als 200 Zuhörern beschlossen die hessischen "Monsters" mit mitreißenden Rocktiteln einer grandiose Bühnenshow den gelungenen Marathon.
 
 
   
Inhalte
Kooperation
Landesorchester